Persönliches Statement

1. Landschaft: Natur - Kultur

Landschaft und Natur gehören eng zusammen, haben aber nicht die gleiche Bedeutung. Die Landschaft (und damit die Landschaftsdarstellungen) ist die vom Menschen gestaltete und veränderte Natur. Somit ist die Landschaft ein Ergebnis menschlichen Denkens, Arbeitens und menschlicher Bedürfnisse. Anders als die elementare, von menschlichen Einflüssen unberührte Natur gehört die Landschaft zur Kultur. 

Die Landschaft als kulturell geformtes Konstrukt, entwickelte sich mit der Entfremdung des modernen Menschen von der Natur. Der Mensch gestaltete die Natur verstärkt um. Städte wurden größer, Felder dehnten sich aus, monokulturelle Wälder entstanden und sogar durch die meisten Wüsten führen Straßen zu Häusern und Orten. Die Industrialisierung der Landwirtschaft, Bevölkerungsexplosion und Land-Stadt-Wanderungen schufen eine Distanz zu der natürlichen Umwelt des Menschen. Diese Distanz ermöglichte eine ästhetische Wahrnehmung der zuvor noch harten und gefährlichen Natur, welcher die Gesellschaft ihren Lebensunterhalt abringen musste. Durch die Umformung und Zerstörung der Natur, sowie dem geringen Kontakt zu dieser ist das Mensch-Natur-Verhältnis heutzutage irreversibel gespaltet. So wird Landschaft durch Landschaftsdarstellungen ersetzt und metaphorisch gehandhabt. Die Landschaft dient als Stimmungsträger dem ästhetischen Konsum, wird zur Utopie, Sehnsucht, Traum. 

Ich denke es ist wichtig zu verstehen, dass nicht nur die Landschaftsdarstellung, sondern bereits deren künstlerisches Reflexionsobjekt ein kulturelles Objekt ist. Die Landschaftsdarstellung ist nicht eine Abbildung oder subjektive Interpretation der Natur, sondern Abbildung der menschlichen Existenz - in Form eines kulturellen Erbes - selbst. Sie wurden zu künstlichen Simulationen von Wirklichkeiten. Wahrhaft unberührte Areale gibt es nur noch wenige. Der Mensch hat sich die Natur nach seinem Bilde geformt. In unserer Zeit scheint die Landschaftsthematik durch Geschichte, Tourismus, Werbung und Kitsch abgegriffen. Dies ist der Grund, weshalb ich mich seit geraumer Zeit ausschließlich der Landschaftsdarstellung widme. Ich suchte das möglichst "unspektakulärste" Thema als Gegenpol zu unserer lauten Sensationsgesellschaft. Dies mittels klassischer Bilderzeugungspraktiken wie Malerei oder Druckgrafik umzusetzen entspricht nicht dem aktuellen "Rausch" moderner Medien. Es ist, wie viele künstlerische Praktiken, letztendlich ein Gegenentwurf zur heutigen Geschwindigkeit.

 

2.1. Eigene Auffassung der Thematik "Landschaftsdarstellung"

Durch die konsequente Beschränkung auf ein Themengebiet erhoffe ich mir das Erreichen neuer Qualitäten, eine Wahrnehmungsschärfung und eine Sensibilisierung für das Metier. Letztendlich reizt es mich auch mehr die Möglichkeiten innerhalb einer klar definierten Begrenzung auszuloten. 

Für mich ist die Landschaftsdarstellung nicht nur die Schilderung der visuell erfassbaren Umwelt. Vielmehr ist es eine Interpretation von Raum und Zeit. Die Verhältnisse, Wechselwirkungen, Dimensionen und Zustände der von mir dargestellten Landschaften sind für diese Interpretationsversuche Hilfsmittel. Dabei ist das menschliche Dasein immer und in allen Bereichen auf den Raum bezogen. Für jedes Subjekt gibt es einen Punkt im orientierten Raum, von dessen aus dieser sich erschließt. Dieser absolute Erlebnismittelpunkt ist das Subjekt selbst. Der Betrachter meiner Bilder soll eben dieser ungestörte Mittelpunkt sein. Ziel ist der Dialog mit sich selbst, eine meditative Reflexion der eigenen Person. Die Landschaft ist endlich auch traditionell ein Konstrukt in das die Werte und Auffassungen des Betrachters einfließen. Deshalb verzichte ich auch auf das Einfügen von Figuren als Stellvertreter oder handlungserzeugende Akteure. Ich fürchte, diese würden stören oder die Assoziationsmöglichkeiten einschränken. 

Die für meine Arbeit wichtige Horizontlinie als notwendige Orientierungshilfe und Grenze ist tief in unserer Kunstgeschichte und der medialen Überstrapazierung des Landschaftsraumes verwurzelt und beeinflusst unsere Vorstellungen von Landschaft stark. Der Horizont bildet die absolute Grenze des Greifbaren. Der unendliche Raum hinter dem Horizont ist für unsere Wahrnehmung lediglich Spekulation und Glauben. Der Theologische Grundsatz “Per visibila ad invisibilia” - durch das Sichtbare zum Unsichtbaren - beschreibt recht gut die Stellung des nicht greifbaren atmosphärischen Raumes innerhalb meiner Arbeit. Er ist für mich ein Symbol für Denken und Glauben, ein Verweis auf das nicht darstellbare Ganze und soll die spirituellen Vorstellungen des Betrachters anregen. Michael Biberstein schreibt dazu: “Die ‘Unendliche Weite’ steht für des Gefühl der Erweiterung, das wir erfahren, wenn das rationale Denken aussetzt.” 

Kurz: Die Landschaftsdarstellung ist Ausdruck meiner geistigen Haltung. Die Landschaft als fragile Idee zwischen Wirklichkeit und Vorstellung scheint mir dafür besonders geeignet. Die Wiedergabe der realen Natur ist nicht mein Ziel.

 

2.2. Arbeitsweise: Der konstruierte Raum

So konzipiere ich meine Motive meist mithilfe verschiedener Fotografien. Das Material stammt aus eigenen Aufnahmen, von Bekannten, aus Zeitschriften und Zeitungen, Büchern und dem Internet. Die Motive sammle ich in Ordnern. Hat sich eine Idee manifestiert, notiere oder skizziere ich diese. Die Idee kann aus einem konkreten Motiv oder auch nur aus einem Inhalt bestehen. Im Anschluss wird diese Idee mit den gesammelten Landschaftsaufnahmen präzisiert. Dazu verwende ich meist einzelne Elemente aus verschiedenen Fotografien und montiere diese zu einer zusammenhängenden Landschaft mithilfe von Skizzen. 

Die Verwendung von Vorlagen aus modernen Medien wie dem Internet und Printmedien ist ein Bezug auf die zeitgenössischen Möglichkeiten die Welt zu sehen und zu erkunden. Sich der eingefangenen Momenten anderer Menschen zu bedienen ist so leicht wie nie. Doch das Montieren einer Landschaft aus einzelnen Elementen ist in der Kunstgeschichte nicht selten. So gibt es die sogenannte italienische “ideale Landschaft” des 17. Jahrhunderts, welche aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt wurde. Diese Landschaften waren weniger Wildnis als viel mehr eine Sammlung von diversen typisierten Landschaftselementen.  Auch Caspar David Friedrich zog in die Natur, um die dort gezeichneten Studien schließlich zu einem Motiv zusammen zu fügen. Hiroshige nutzte für manche Landschaftsholzschnitte Motive und Beschreibungen anderer Künstler als Vorlagen. Diese Beispiele folgen einem Prinzip: Sammeln  verschiedener Motive, Umformung dieser Motive und letztendlich Schöpfung eines virtuelle Zusammenhangs zwischen diesen. Bereits Plato lehnte das bloße Nachbilden von Natur als Kunst ab. Wichtig bei solch einer Motivkonstruktion ist das Streichen von Überflüssigem und dem Hinzufügen von Fehlendem. Dabei kann auch eine Reduktion auf den Kerninhalt das Motiv bereichern. 

Die Umsetzung meiner Motive erfolgt meist ohne eine Vorzeichnung pastös in Öl direkt auf die Leinwand. Wo es erforderlich ist, nutze ich Lasuren oder mische reines Pigment unter. Überschüssige Farbmengen nehme ich mithilfe von Papier ab. Das Motiv entsteht in mehreren Arbeitssitzungen, hat verschiedene Stadien und entwickelt sich durch den Arbeitsprozess weiter. Durch das Eingehen auf verschiedene Entwicklungsstufen des Motivs ist der Malprozess von entscheidender Bedeutung und nicht zu ersetzen. Zudem ermöglicht mir der für heutige Verhältnisse langsame Bilderzeugungsprozess des Malens eine hohe Konzentration. 

Meine Landschaften sind ebenfalls eine Summe verschiedener Elemente innerhalb eines Bildes. Mein handwerkliches Ziel ist das Schaffen eines Zusammenhangs zwischen den einzelnen Elementen, der Schaffung von Ganzheit und Einheit.

 

3.1. Landschaft im Holzschnitt

Der Holzschnitt als eine der ältesten Drucktechniken hat in Europa wie in Asien eine Jahrhunderte alte Tradition. Die japanischen Holzschnitte zeichnen sich dabei durch eine besonders harmonische Gesamtwirkung aus. Handkolorierte Schwarzweißdrucke waren in Japan nach dem Aufkommen des Holzschnittes die Norm.  Für die Thematik der Landschaftsdarstellung sind die neueren Entwicklungen des japanischen Farbholzschnittes um Hokusai und Hiroshige von besonderer Bedeutung. Die Arbeiten dieser beiden Künstler beeindruckten Impressionisten wie Expressionisten gleichermaßen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Leistungen Ludwig Kirchners, der sich dieser Technik bis zuletzt bediente und eine verblüffende Anzahl an Holzschnitten schuf. Nicht wenige seiner Arbeiten waren Landschaftsdarstellungen, was nicht verwundert, wenn man den hohen Stellenwert des Außenraumes für die Brücke-Künstler kennt. Kirchners Landschaftsdarstellungen im Holzschnitt zeugen von einer besonders freien Herangehensweise an die Technik.

Der Holzschnitt als vergleichsweise grobe Technik der Druckgrafiken benötigt eine Reduktion und Übersteigerungen der darzustellenden Formen. Die Illusionen von Raum kann mit Hilfe von Ornament, Linie und Fläche sowie der gewählten Perspektive erzeugt werden. 

 

3.2. Eigene Arbeitsweise und Begründung der Technikwahl

Ich wähle die Technik des Holzschnittes, da sie sich stark von der Malerei und Zeichnung unterscheidet. Es ist ein abtragendes und kein auftragendes Arbeitsprinzip. Das Material des Holzes ist  seiner Herkunft wegen nah an der von mir gewählten Landschaftsthematik. Die Maserungen liefern einen eigenen Abdruck und beleben zusätzlich das Motiv. Ich fasse den Holzschnitt als eine sehr freie Drucktechnik auf, in der das Experiment einen hohen Stellenwert genießt. Dies verlangt eine deutliche Reduktion zur Besinnung auf die wesentlichen Aspekte, sowie eine klare Aufteilung. 

Der Holzschnitt entsteht bei mir meist spontan innerhalb weniger Stunden. Anders als in den Landschaftsgemälden handelt es sich um weniger aufwendig konstruierte Motive, vielleicht vergleichbar mit Reisebeschreibungen auf den Streifzügen durch meine Motivsammlung. Der Rhythmus von Linien und Struktur ist entscheidend. Mit einer Tiefdruckpresse drucke ich die Platte auf alterungsbeständiges leicht getöntes Zeichenpapier. Die Intensität des Druckes spielt eine wichtige Rolle für die Wirkung des Bildes.